Erschienen am: 17.04.2018, Ausgabe SPS-MAGAZIN Hannover Messe 2018

Gespräch über das Innovationspotential in der elektrischen Verbindungstechnik

Kundenbedürfnisse im Blick

Auf der diesjährigen Hannover Messe wird Wago eine weitere Innovation in Sachen elektrischer Verbindungstechnik vorstellen. Im Vorfeld der Leistungsschau sprach das SPS-MAGAZIN mit Dr. Karsten Stoll, Leiter des Geschäftsbereichs Electrical Interconnections beim Mindener Unternehmen, unter anderem über die Herangehensweise bei der Entwicklung von neuen Lösungen in einem Markt, in dem der Raum für Optimierungen immer enger wird.


Auf der diesjährigen Hannover Messe stellen Sie Ihre Produktneuheit im Bereich elektrische Verbindungstechnik vor. Wie kommen grundsätzlich Neuentwicklungen bei Wago in einem Bereich zustande, in dem der Innovationsspielraum immer enger wird? Dr. Karsten Stoll: Für uns ist es ganz wichtig, dass wir uns bei jeder Weiterentwicklung eng an den Bedürfnissen unserer Kunden orientieren. Im Fall unserer jüngsten Innovation war es so, dass ein Kollege zwei Monate lang bei einem Schaltanlagenbauer mitgearbeitet und jeden einzelnen Prozessschritt genau analysiert hat. Aus dieser Analyse haben wir dann abgeleitet, wo in der Schaltschrankproduktion noch Optimierungspotential besteht. Dieses Potential versuchen wir dann mit Hilfe unseres Hardware-, Software- oder Dienstleistungsangebots für unseren Kunden realisierbar zu machen. Auf Basis einer solchen Vor-Evaluierungen können wir sehr genau definieren, wie wir unsere Produkte, Software oder Dienstleistungen weiterentwickeln können und starten Entwicklungsprojekte erst, wenn sie uns echtes Potential versprechen. Im konkreten Fall unserer jüngsten Innovation haben wir uns dafür zwei Jahre Zeit genommen. Und manchmal kann es auch zielführend sein, Technologie-Innovationen aus einem anderen Produktbereich zu nutzen. Denn genau dann entstehen ja Innovationen: Wenn Kundenbedürfnisse und Technologie aufeinander treffen. Gibt es bestimmte Schaltanlagenbauer, mit denen Sie bei solchen Projekten besonders eng zusammenarbeiten?

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Stoll: Die gibt es durchaus, und auch bei der Entwicklung unserer jüngsten Neuheit war der enge Austausch mit dem Kunden wie erwähnt von entscheidender Bedeutung. Für mich persönlich gilt ebenso, dass ich einige Male pro Jahr versuche, bei unseren Kunden vor Ort zu sein, um aktuelle Themen zu diskutieren. Welche Maßnahmen muss ich ergreifen, um am Hochlohnstandort Deutschland konkurrenzfähig zu bleiben? Welchen Änderungen ist meine Wertschöpfungskette unterworfen? Wie sollte ich meine Mitarbeiter qualifizieren? Für uns ist es entscheidend zu wissen, wo unseren Kunden der Schuh drückt. Nur so können wir beurteilen, ob wir mit den Ideen, die wir gerade auf der Roadmap haben, überhaupt auf dem richtigen Weg sind. Welche Möglichkeiten gibt es denn, den Prozess bei der Verdrahtung zu optimieren? Stoll: Dazu müssen wir uns nur den Prozess des Kunden einmal anschauen: Starten wir beim Anschließen der Leiter - hier ist zunächst gute und sichere Kontakttechnik gefragt - am besten die von Wago. Dann benötigen wir Zubehör, wie Brücker, Prüfmöglichkeiten und Beschriftung. Damit sind wir immer noch sehr dicht an der Klemme. Nun kommen ganz klar Möglichkeiten der Handhabung und Betätigung hinzu. Hier gibt es ebenfalls viele Ansätze, die Prozesse unserer Kunden zu vereinfachen. Ergänzende Dienstleistungen wie bestückte Klemmenleisten, die unsere Kunden direkt bei uns bestellen, können unseren Kunden je nach Wertschöpfungsprozess ebenfalls helfen; nicht zuletzt indem unsere Kunden dadurch die eigene Lagerhaltung reduzieren und aufwändige Arbeiten, wie die Beschriftung der Klemmleiste, durch Wago erledigen lassen. Und natürlich liegen weitere Potentiale in der IT- und Datenwelt. Beispielsweise kann der Prozess unserer Kunden durch eine durchgängige und konsistente Datenhaltung vereinfacht werden.

Hakt es aber nicht noch genau an dieser Stelle, nämlich dass der Schaltanlagenbauer von seinem Kunden die Daten analog übermittelt bekommt?

Stoll: Zweifellos ist dies heute vielfach noch der Fall. In zehn Jahren wird sich dies aber komplett geändert haben, da bin ich ganz sicher. Auch der Maschinenbauer wird sich dann einer weiterentwickelten Palette an Tools bedienen und seine Daten entsprechend aufbereitet an den Schaltanlagenbau übermitteln. Letztlich ist die Digitalisierung ja nur ein Mittel zur Problemlösung und Vereinfachung der Prozesse. Schaltanlagenbau-Betriebe haben häufig eine Größe von 10 bis 50 Mitarbeitern. Das Bewusstsein, die eigene Wertschöpfungskette zu optimieren, indem man die Möglichkeiten nutzt, die sich durch die Digitalisierung ergeben, entwickelt sich jetzt erst in einem evolutionären Prozess. Schlussendlich - davon bin ich überzeugt, werden unsere Kunden eine Mischung aus verfügbaren Hardware- und Software-Lösungen sowie Dienstleistungen nutzen. Und das Mischverhältnis wird dabei sehr individuell sein.

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Bestimmt gibt es auch hier bereits Vorreiter in der Branche? Stoll: Natürlich gibt es auch hier meist relativ große Schaltanlagenbauer, die bereits Leuchtturmprojekte aufgesetzt haben. Dort existieren dann Teams, die sich intensiv mit der Verbesserung der Wertschöpfungsprozesse beschäftigen. Beispielsweise werden dann bei der Verdrahtung Tablets eingesetzt, so dass das Personal mit minimaler Fehlerquote arbeiten kann. Gibt es denn mit Blick auf die Verbindungstechnik hardwareseitig überhaupt noch technologisches Verbesserungspotential?

Stoll: Ich denke, dass mit der Neuerung, die wir in Hannover vorstellen werden, das Thema weitgehend ausgereizt ist. Für uns wird es dennoch weiterhin darum gehen, wie wir das Leben unserer Kunden vereinfachen können. Da gibt es aus meiner Sicht noch viel zu tun. Ist das dann eher ein Software-Thema? Stoll: Aus meiner Sicht wird Verbindungstechnik dazu ebenso einen Beitrag liefern, wie Software und Dienstleistungen. Und diese drei Elemente werden dann jeweils individuell auf die Kunden abgestimmt und kombiniert. Wir müssen unser Angebot so auslegen, dass es sich überall andocken lässt.

Die Enthüllung der Produktneuheit für die elektrische Verbindungstechnik erfolgt auf der Hannover Messe am Montag, 23. April 2018, um 11 Uhr in Halle 11, Messestand C72.

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