Erschienen am: 29.10.2018, Ausgabe SPS-MAGAZIN 11 2018

Studie der Impuls-Stiftung des VDMA

Produktivitätsparadoxon im deutschen Maschinenbau

Die gemessene Produktivität im deutschen Maschinenbau ist in den Jahren nach der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 gesunken - bei gleichzeitig guter Auslastung, steigenden Gewinnen sowie Rekordbeschäftigung. Diesem Paradoxon ist die Studie 'Produktivitätsparadoxon im Maschinenbau' nachgegangen, die das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung und das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung gemeinsam im Auftrag der Impuls-Stiftung des VDMA durchgeführt haben.


Die Umsatzproduktivität im deutschen Maschinenbau war 2016 abhängig von der Digitalisierungsbreite. Der Zusammenhang zeigt sich im Vergleich zur gesamten deutschen Wirtschaft als signifikant ausschlaggebender.
Bild: Statistisches Bundesamt, VGR./Berechnungen des ZEW

Produktivitätsgewinne sind laut der Studie eine wesentliche Stellschraube für nachhaltigen Erfolg, für Wettbewerbsfähigkeit, für Wachstum und Erträge, die investiert, aber auch an Eigentümer und Mitarbeiter ausgeschüttet werden. "Für einen so innovativen und international aufgestellten Industriezweig wie den deutschen Maschinenbau ist die widersprüchliche Entwicklung nicht nur erstaunlich, sondern auch einzigartig im Vergleich zu anderen Branchen in Deutschland und dem Maschinenbau in anderen Ländern", sagt Dr. Christian Rammer, Projektleiter der Studie. Was sind die Ursachen für das Produktivitätsparadoxon im Maschinenbau in Deutschland? Die Studie hat sieben Ansätze zur Erklärung des Produktivitätsparadoxons im Maschinenbau untersucht, von denen sich vier im Ergebnis der Studie erhärten und sich für drei keine empirischen Belege finden. Zu den vier relevanten Erklärungsansätzen zählt erstens der temporäre Effekt, dass der digitale Wandel in der Produktion des Maschinenbaus bislang noch keine größeren Produktivitätsgewinne auf breiter Front liefert. Dies liegt u.a. daran, dass neue Geschäftsmodelle erst in der Entstehung sind. Zweitens trägt die zunehmende internationale Ausrichtung der Branche statistisch zu einem Produktivitätsrückgang bei, da an Auslandsstandorten erwirtschaftete Gewinne nicht in die Produktivität am Standort Deutschland einfließen, die hier getätigten Aufwendungen für die Erfolge auf Auslandsmärkten (FuE, Konstruktion, Marketing, Verwaltung) jedoch schon. Drittens steigt der Dienstleistungsanteil im deutschen Maschinenbau kontinuierlich - einerseits erschließt das neue Geschäftspotentiale, andererseits ist dies ein Zweig, der strukturell ein niedrigeres Produktivitätsniveau hat, da Dienstleistungen weniger gut automatisierbar sind. Viertens zeigt sich, dass sich die Preisentwicklung im Maschinenbau nur schwierig erfassen lässt, weil sich die Produkte über die Zeit stark verändern und verbessern. Dadurch werden die reale Bruttowertschöpfung und damit die Produktivitätsentwicklung in der amtlichen Statistik unterschätzt. Die Studie können Sie unter www.impuls-stiftung.de downloaden.

Anzeige