Schaltschränke für die vernetzte Produktion

Auf die Branche zugeschnitten

Egal um welche Branche es sich handelt: Für Heinz-Peter Wolf beginnt der perfekte Schaltschrankbau bereits in der Planungsphase. Für den geschäftsführenden Gesellschafter der Firma Falk Technical Systems spielt der intensive Dialog mit den Kunden dabei die entscheidende Rolle - eine Philosophie, die seit sechs Jahren in die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem italienischen Schaltschrankspezialisten Ilinox einfließt, den der Distributor aus Oberstenfeld in Deutschland repräsentiert. Im Gespräch erläutert Wolf, welche Faktoren bei der Auswahl eines Schaltschranks eine Rolle spielen und wie Ilinox auf die Anforderungen am Markt reagiert.


Die Edelstahlgehäuse der Hygienic-Line lassen sich leicht und schnell reinigen, wozu die hohe Schutzklasse IP66 beiträgt.
Bild: Falk GmbH Technical Systems

Im Zeitalter von Industrie 4.0 sind Schaltschränke die Steuerzentralen für immer anspruchsvollere Prozesse und Anlagen. Dass der mechanische Schutz von Elektrotechnik und Elektronik heute mehr als nur ein einfaches Gehäuse fordert, weiß Heinz-Peter Wolf. "Gefragt ist ein umfassendes Know-how. Die Anwender in der Industrie benötigen einen kompetenten Partner, der sie von der Planung über das Engineering und die Zertifizierung bis zur Auslieferung des Schaltschranks begleitet", so der Experte. Selbst wenn die Gehäuse erst vor Ort beim Kunden auf der Feldebene entsprechend bestückt würden: "Durch ein optimiertes Design können sie bereits im Vorfeld dazu beitragen, die vernetzte Produktion effektiver zu gestalten." Heinz-Peter Wolf ist einer der beiden geschäftsführenden Gesellschafter der Firma Falk Technical Systems und ansässig in der Niederlassung in Troisdorf im Raum Köln/Bonn. Von dort, dem Stammhaus und einer weiteren Zweigniederlassung, betreuen er und sein Team die deutschen Kunden des Edelstahlgehäuseherstellers Ilinox. Seit über sechs Jahren repräsentiert Falk Technical Systems mit Sitz in Oberstenfeld das italienische Unternehmen in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen - und "zuweilen darüber hinaus", so Wolf. Die Stärke der sechs Falk-Vertriebsmitarbeiter sieht er in der persönlichen Beratung der Konstrukteure und Einkäufer vor Ort beim Anwender. Um im südlichsten Teil Deutschlands stärker präsent zu sein, entstand 2017 im Schwarzwald bei Lörrach die zweite Niederlassung. Von hier koordiniert Andreas Falk, der zweite geschäftsführende Gesellschafter, die Aktivitäten.

Gerüstet für Industrie 4.0

"Der Markt verlangt heute Schaltschränke, die sich als vollwertige Bausteine in die Digitalisierungsstrategie der Unternehmen einfügen", meint der gelernte Energieanlagenelektroniker. Die von Ilinox entwickelten Systeme sollen beim Aufbau der selbst organisierten Produktion helfen, indem sie die dafür benötigte hochsensible Technik sicher vor Staub, Feuchtigkeit und Vibrationen schützen. Doch das allein reiche nicht, stellt Wolf klar. So gelte es beispielsweise bereits in der Konzeptionsphase die Gehäuseausführung im puncto Abmessungen und Türöffnung optimal an den zur Verfügung stehenden Platz an der Maschine anzupassen. Auch unternehmensintern treiben die italienischen Schaltschrankspezialisten die Digitalisierung voran und denken branchenübergreifend. 3D-Zeichenprogramme der neusten Version sind die Basis der effizienten Projektierung. Sie erzeugen einen virtuellen Prototyp und legen die Bohrungen, Ausbrüche und Gewinde in der Montageplatte, den Schaltschranktüren und den Seitenteilen fest. Heinz-Peter Wolf: "Ilinox kann von der Planung bis hin zum fertigen Gehäuse auf einen durchgängigen Datenfluss zugreifen. So lassen sich Fehler in der manuellen Maschinenprogrammierung eliminieren und die Toleranzwerte bei der Montage auf ein Minimum reduzieren."

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Fertigung kundenindividueller Gehäuse

Jährlich liefert Ilinox 1.500 unterschiedliche Edelstahlgehäuse-Varianten aus, über die Hälfte davon in kundenspezifischer Ausführung. In San Polo, gelegen in der norditalienische Region Emilia-Romagna nahe Parma, fertigt das Unternehmen seit über 35 Jahren innovative Lösungen aus den Bereichen Edelstahl-Schaltschränke. Zu den Kunden zählen überwiegend Erstausrüster sowie große Produktionsunternehmen mit eigenem Engineering. Hauptsächlich kommt Edelstahl der Güteklassen AISI 304L (1.4307) und AISI 316L (1.4404) zum Einsatz. Das Standardprogramm deckt eine Vielzahl an Gehäuseoptionen ab und umfasst große Schaltschränke in Modul- oder Kompaktbauweise sowie Monoblockgehäuse. Kleinere Steuergehäuse, optional mit Scheibe aus bruchfestem Verbundglas in der Tür und eine Auswahl an Computergehäusen und Bedienpulten runden das Portfolio ab. Hinzu kommen kleine Verteilergehäuse, die mit einem oder mehreren Löchern als Schalter- und Tastergehäuse zur Auswahl stehen. In diese Standardprogramm wurden verschiedene Hygienic Design-Varianten und Gehäuse mit ATEX-Zulassung aufgenommen. "Alle Edelstahlgehäuse mit marktgebräuchlichen Abmessungen sind ab Lager verfügbar. Sie werden in vereinbarter Losgröße inklusive aller Ausschnitte gefertigt", so Wolf. Die vorproduzierten Gehäuse stehen auf Abruf zur Verfügung und erreichen innerhalb von drei Werktagen die deutschen Kunden. Ein Aspekt, von dem auch Anwender profitieren, die geringe Stückzahlen anfragen, denn Ilinox liefert alle Standard-Edelstahlgehäuse bis zur Losgröße 1 in diesem Zeitfenster aus. Da Individualität heute in jeder Brache gefragt ist, sind die Italiener zudem in der Lage, Vorschläge für die Kunden unter Einhaltung des Corporate Designs zu erarbeiten.

3D-Laserbearbeitung für höchste Anforderungen

Dank modernem 3D-Laser-Bearbeitungszentrum kann Ilinox sowohl Prototypen als auch einzelne Edelstahlgehäuse schnell und preisoptimiert bearbeiten. Während das klassische Bearbeiten von Edelstahloberflächen mit hohem Werkzeugverschleiß und längeren Bearbeitungszeiten verbunden ist, erfolgt die Bearbeitung per Lasertechnologie berührungslos und vibrationsarm - "ohne Anlaufen und Verfärben von Schnittkanten", wie Wolf betont. Komplett fertige Flachteile wie Schaltschranktüren, Seitenwände oder Montageplatten werden lediglich auf den Arbeitstisch aufgelegt, das Aufspannen der Werkstücke ist nicht mehr nötig. Außerdem entfällt ein Großteil der manuellen Nachbearbeitungen wie Reinigen und Entgraten. Das Verfahren, bei dem ein Laserstrahl die Werkstücke mit einer sehr hohen Wiederholgenauigkeit durchtrennt, wollen die Italiener in den nächsten Jahren weiter optimieren. "Gerade bei korrosionsbeständigen Stahlsorten sind spanende Verfahren wie Fräsen und Bohren relativ aufwendig. Die Zähigkeit des Stahls führt hier oft zu längeren Fertigungszeiten", erläutert der Experte.

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Lösungen für jeden Einsatzbereich

Die Gehäuse finden Anwendung in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie, im Maschinen- und Anlagenbau, der Verpackungsindustrie und anderen Branchen. Aufgrund ihrer Materialeigenschaften sind die Edelstahlgehäuse prädestiniert für den Einsatz im Außenbereich oder in aggressiver und korrosionsfördernder Umgebung. Die austenitischen Stähle der Serie 300 garantieren eine optimale Verwendung für eine Mehrzahl der Anwendungen - allen voran in der Lebensmittelindustrie, für die mit der Hygienic-Line ein eigenes Gehäusesystem zur Auswahl steht. Bei der Konstruktion folgten die Ilinox-Ingenieure der Idee, dass Sauberkeit und Hygiene bis ins Detail möglich sein müssen. "Dazu gehören das Vermeiden von Spalten, Vertiefungen und Kontaminationen sowie das Verhindern des Eindringens von Staub und Feuchtigkeit", zählt Wolf einige der Aspekte auf, die es zu berücksichtigen gilt. Das überstehende 30-Grad-Schrägdach und die geneigten Abkantungen sorgen für einen vollständigen Flüssigkeitsablauf und verhindern Schmutzablagerungen. Zudem kommt bei den Gehäusen nur von der FDA zugelassenes Dichtungsmaterial zum Einsatz, das beständig gegen Reinigungsmittel aller Art ist. Die Silikondichtung ist aus dem Türrahmen abnehmbar und lässt sich sicher reinigen und sterilisieren. Lebensmittelrückstände sind aufgrund ihrer blauen Farbe sofort zu erkennen. Heinz-Peter Wolf stellt in jüngster Zeit zunehmend fest, dass Lebensmittelhersteller aufgrund der gestiegenen Hygieneanforderungen von den Anlagenbauern Edelstahlgehäuse fordern, die diesen Kriterien des Hygienic Designs entsprechen. Bleibt die Frage, was bei der Entwicklung von Schaltschränken künftig noch möglich ist? Angesichts einer zunehmend vernetzten Produktionsumgebung, die mit einer wachsenden Anzahl dezentraler Schaltschränke einhergeht, erwartet Wolf eine stetige Verbesserung und Optimierung in der Gehäusefertigung. Hier sieht er einen der Schlüsselfaktoren für den Markterfolg der italienischen Schaltschrankexperten aus San Polo: "Mit ihrer Wahl entscheiden sich unsere Kunden bewusst für Markenqualität 'Made in Italy'. Ilinox investiert jedes Jahr beträchtliche Ressourcen in Forschung und Entwicklung, um neue Edelstahlgehäuse zu konstruieren, neue Fertigungstechnologien zu entwickeln und den hohen technischen Standard seiner Lösungen zu sichern." Und das noch aus einem anderen guten Grund, denn "letzten Endes sollen die Gehäuse nicht nur elektronische Baugruppen schützen, sondern auch Personen, die sich im unmittelbaren Anlagenumfeld aufhalten", so der Geschäftsführer der Falk GmbH Technical Systems abschließend.

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