10.02.2020

Vitaldaten

Üblicherweise hat die Fertigungsautomatisierung einen Vorsprung bei der Umsetzung neuer Automatisierungskonzepte gegenüber der Prozessautomation. Beim Thema Industrie 4.0 und Condition Monitoring scheint dies aber nicht so.


Schon seit Jahrzehnten beschäftigt sich der Chemie-, Life-Science- und Pharma-Bereich mit der Auswertung von Sensordaten für das Condition Monitoring ihrer Anlagen. Während heute noch in der Fertigung diskutiert wird ob - und falls ja wie - man Sensordaten für Industrie-4.0-Konzepte einsetzen kann, hat die Namur mit dem NOA-Kanal (Namur Open Architecture) bereits die Grundlage für einen erfolgreichen Datenaustausch über alle Ebenen einer Anlage gelegt. Der NOA-Kanal ermöglicht es, standardisierte Sensordaten an verschiedenen Orten und Ebenen innerhalb einer Anlage (oder in der Cloud) zu nutzen. Geholfen bei der Umsetzung des Konzeptes hat sicherlich die Tatsache, dass die Prozessautomation mit der Namur eine große Anwendervereinigung von mittlerweile über 160 Mitgliedern hat, die es ermöglicht Standards festzulegen, die dann auch wirklich branchenweit umgesetzt werden. In der Fertigungsindustrie steht höchstens mit der Aida, also dem Zusammenschluss verschiedener Automobilisten, eine ähnliche Anwendervereinigung gegenüber, die aber deutlich kleiner ist. Erst mit der Einführung von IO-Link hat eigentlich die Auswertung von Sensordaten in der Fertigung einen ersten Ansatz gefunden. Die Prozessautomation ist mit dem Thema der M+O-Sensoren (Monitoring und Optimization) - im Gegensatz zu den bisherigen M+C-Sensoren (Measurement und Control) - auch hier schon ihren Kollegen aus der Fertigung einigen Gedankensprüngen voraus. Grundlage für all diese Konzepte ist und bleibt aber die Konnektivität über alle Ebenen. Erst wenn alle (Sensor-) Daten zur Verfügung stehen, werden wir wahrscheinlich überhaupt erkennen, welche Möglichkeiten und Use Cases sich daraus ergeben. Sollte dann noch in absehbarer Zeit 5G Einzug in die Automatisierung halten, ist wahrscheinlich bereits jetzt der richtige Zeitpunkt, sich zu überlegen, wie man diese Vitaldaten dann verarbeiten kann - und vor allem will.

Peter Ebert

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